Massenklage gegen das Stiergemetzel "Toro de la Vega"
VALLADOLID / SPANIEN (11.07.2011): Wie die Rechtsanwaltskanzlei IFS Abogados am Donnerstag in einer Presseerklärung verlauten ließ, hat die Kanzlei auf Antrag einer Gruppe von spanischen und europäischen Vereinigungen sowie zahlreichen Einzelpersonen, eine Massenklage gegen eines der wohl grausamsten Stierspektakel Spaniens, den "Toro de la Vega", in die Wege geleitet.
Die Rechtsanwaltskanzlei hat bei der UNESCO und dem Europäischen Parlament drei Schriftsätze mit dem Ziel eingereicht, ein Projekt zur „Humanisierung“ des Toro de la Vega zu erarbeiten. Die Schriftsätze beantragen nicht die Abschaffung des Festes, sondern eine Humanisierung dieses grausamen Festes, welches im Jahre 1980 als touristisch wertvoll anerkannt und 1999 von der Regierung Kastilliens als traditionelles Stierfest eingestuft wurde.
Ein als 200 Seiten starker Schriftsatz wurde zunächst beim Sitz der UNESCO in Paris eingereicht, genauer gesagt bei der Abteilung für Menschenrechte, Menschliche Sicherheit und Philosophie. Mit diesem soll, mit der Unterstützung dieses zur UNO gehörenden Organismus, ein Projekt erarbeitet werden, das „dabei hilft, die Art der Begehung dieses Festes zu humanisieren“.
Ein weiterer Schriftsatz wurde der spanischen Nationalen UNESCO-Kommission in Madrid vorgelegt, ebenfalls mit der Forderung auf die notwendige Unterstützung um die Art und Weise wie dieses Fest begangen wird, abzuändern.
Der dritte und letzte Schriftsatz war an den Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments mit Sitz und Brüssel gerichtet. In ihm wird um die Anberaumung einer Versammlung zur Untersuchung der Frage gebeten, wie das Fest humanisiert werden kann.
Die Rechtsanwaltskanzlei erklärte, dass diese Vorgehensweise gewählt wurde, weil der Ablauf des Spektakels Tor de la Vega, die Art und Weise, wie der Stier gehetzt und getötet wird, „dem wahren Geist dieses Festes nicht gerecht wird“.
Die Nachricht, dass spanische und europäische Tierschutzorganisationen, sowie zahlreiche Tierfreunde aus den verschiedensten Ländern gemeinsam internationale Instanzen bitten, sich für die „Humanisierung“ des "Toro de la Vega" einzusetzen, dürfte für große Unruhe unter den Anhängern dieses grausamen Festes sorgen. Sogar eingefleischte Stierkampfanhänger kritisieren dieses blutrünstige Ritual.
Seit 1584 wird in der spanischen Stadt Tordesillas, am zweiten Dienstag im September, zu Ehren der Schutzpatronin von Tordesillas ein Stier grausam zu Tode gequält. Ein Stier wird von hunderten von blutrünstigen Männern, bewaffnet mit Lanzen, zu Fuß und zu Pferd gehetzt. Der Stier wird in die Enge getrieben, die Männer stechen so lange erbarmungslos auf ihn ein, bis er blutüberströmt zusammenbricht. Mit einem Dolch getötet, wird er von demjenigen, der ihn zuerst verletzt hat. Dieser darf dem Stier den Schwanz abschneiden und die Trophäe auf seine Lanzenspitze stecken um daraufhin stolzen Hauptes in das Dorf zu reiten, um vom Mob bejubelt und vom Bürgermeister und von katholischen Würdenträgern beglückwünscht zu werden.
Schafft der Stier es an einem bestimmten, festgelegten Punkt zu kommen, kann er begnadigt werden, angeblich konnten sich schon einige wenige Stiere retten, doch diese starben trotzdem an den schrecklichen Wunden die man ihnen während der Hetzjagd zugefügt hat.
Jedes Jahr strömen anlässlich des Festes Tor de la Vega, welches im Jahre 1980 sogar als touristisch wertvoll anerkannt und 1999 von der Regierung Kastilliens als traditionelles Stierfest eingestuft wurde, zehntausende von Menschen nach Tordesillas. Doch die Kritik gegen die umstrittene Stierhatz wird immer lauter, im vergangenen Jahr unterzeichneten mehr als 400 spanische Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur, ein Manifest für eine Abschaffung des blutigen Spektakels.
Die Auszüge aus dem Manifest zeigen die tiefste Ablehnung der Intellektuellen gegenüber diesem mittelalterlichen Spektakel und die Forderung nach einer Abschaffung, “Die Unterzeichner lehnen es ab, dass in Spanien die Demütigung und Folter eines Lebewesens als Kultur verstanden wird und ein Blutvergießen Kunst genannt wird“. “Die wir dieses Manifest als Künstler und Intellektuelle der Literatur, der Musik, der Bildhauerkunst, des Tanzes und des Gedankens im Allgemeinen, aber vor allem als menschliche Wesen die fähig sind, sich der von einigen Mitgliedern der Spezie der wir angehören, bewiesenen Barbarei zu schämen, vereinigen unsere Stimmen der wahren Kultur, der wahren Kunst, die die verstanden werden als ein Wohl des Volkes, jene die es wachsen und weiterkommen lassen und nicht verrohen und verknöchern.”
Angesichts der Tatsache, dass männliche Rinder und somit auch alljährlich der sogenannte Toro de la Vega und alle anderen Stiere die in spanischen Stierkampfarenen niedergemetzelt werden, von der Europäischen Union subventioniert werden, sollte sich die EU Gedanken drüber machen, ob solche Subventionen überhaupt noch moralisch, ethisch und politisch vertretbar sind. Hinzu kommen die vielen Fördergelder, die auf Umwegen in die Stierkampfbranche fließen, laut der Europaabgeordneten der Grünen, Franziska Keller belaufen sich die Subventionen die der Stierkampflobby zugute kommen, auf schätzungsweise 600 Millionen Euro. Deutschland ist mir 150 Millionen Euro dabei, Geld was sicher besser verwendet werden könnte.
11.07.11 09:00
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