Santana-Werke müssen die Produktion einstellen

LINARES  / SPANIEN (21.02.2011): Der bekannte spanische Autobauer Santana muss den Betrieb einstellen. Mehr als 1.300 Arbeiter werden entlassen. Das Autowerk stellte jahrelang eine abgespeckte Version des Landrover Devender her.

Das Werk wird nach jahrelangem Streit geschlossen und arbeitete in den letzten Jahren nicht mehr rentabel. Allein 2009 pumpte die spanische Regierung noch einmal 523.000.000 Euro in das Werk um die drohende Pleite abzuwenden. Mit der Schließung des Werks stirbt auch ein Stück spanischer Autobauergeschichte.

Ursprünglich 1955 unter dem Namen „Metalúrgica de Santa Ana“ für den Bau von Landmaschinen gegründet, wandelte sich die Fabrik 1956 zu einem Lizenzhersteller der Land Rover Series-II-Modelle. Der Santana war der einzige Lizenzbau des Land Rover, der ohne Zulieferung von Teilen aus dem Stammwerk gefertigt wurde. Santana produzierte diverse Modelle und war auch außerhalb Spaniens unter Landwirten sowie Viehzüchtern äußerst beliebt.

Konkurrenten gab es zu dieser Zeit auf dem heimischen Markt kaum, da Santana der einzige Geländewagenproduzent Spaniens war. Mitbewerber für den PKW-Sektor waren allesamt Lizenznehmer bzw. Joint-Ventures ausländischer Unternehmen, u.a. von Renault (in Spanien FASA), Citroën, FIAT (in Spanien SEAT). Der Grund hierfür lag darin, dass während der Franco-Zeit enorme Zölle und Importkontingente den Import ausländischer Neuwagen beinahe unmöglich machten und der spanische Markt für eigenständig entwickelte Produktlinien sehr klein gewesen wäre.

1958 rollten parallel zum Modellwechsel bei Land Rover die ersten Series-II-Modelle in Linares aus den Werkshallen: 88“- und 109“-Hardtops mit den 2-Liter-Benzin- und Dieselmotoren. 1962 begann der Export. Schwerpunkt waren nordafrikanische und lateinamerikanische Staaten. Die Einführung des 2,25-Liter-Dieselmotors war der letzte direkte Entwicklungstransfer von England nach Spanien. 1968/69 wurde das sichtbar: Der 88“ Lightweight und der 109“ One-ton kamen zwar zeitgleich mit den britischen Modellen, Unterschiede waren aber sichtbar: Der Land Rover 1300 war ein Forward Control mit anderen Karosserieteilen.

1972 wanderten die Scheinwerfer aufgrund veränderter Gesetzgebung nach außen in die vorderen Kotflügel. 1976 wird der 3,5 Liter 6-Zylinder Motor vorgestellt. Der Ersteinsatz des Benziners erfolgte in der einzigen zivilen Variante des 101“-Forward Control. Im Jahr darauf folgten die Standardmodelle mit Benzin- und Dieselausführung, die Leistungsdaten waren für die mittleren Siebziger beeindruckend: 104 PS/245 Nm für den Benziner und 95 PS/211 Nm für den Diesel. Des Weiteren erfolgt eine Innovation, die erst Jahre später bei Land Rover eingeführt wurde: Der Kühlergrill rückte wegen der 6-Zylinder Motoren nach vorne und die einteilige Windschutzscheibe hielt Einzug.

1981 wurde der Santana 2000 als massiv überarbeiteter 101“-Forward Control vorgestellt, der eine Nutzlast von 2 Tonnen aufwies. 1982 folgte der „Cazorla“ - optisch fast ein Defender, mit 6-Zylinder, Overdrive, Servolenkung und drei Wischern auf der vergrößerten einteiligen Frontscheibe. Durch den Entfall der Lüftungsklappen unter der Frontscheibe konnte das Armaturenbrett komplett neu gestaltet werden.

1983 wurde die Zusammenarbeit mit Land Rover beendet und mit der Serie 2500 wesentliche Änderungen an den existierenden Modellen durchgeführt. Mit dem „Super T“ wurde unter anderem die erste turbogeladene Variante des 2,25-Liter-Dieselmotors, mit einer Leistung von 75 PS und einem Drehmoment von 180 Nm, eingeführt - drei Jahre vor dem britischen Turbodiesel. Der Wechsel zu den wesentlich weicher ansprechenden Parabelfedern legte die Basis für eine zeitgemäße Weiterentwicklung des robusten Blattfederfahrwerks.

1986 begann dann die Produktion der Suzuki-Modelle Jimny und Samurai, da auch andere Hersteller von Geländewagen sich in Spanien positionierten (Wegfall der horrend hohen spanischen Importzölle erleichterten es Mitsubishi sowie Toyota enorm). 1991 stieg Suzuki bei Santana als Mehrheitseigner ein, die Firma heißt seitdem Santana Motors. 1994 endete die Produktion des Santana 2500.

1995 ging die Aktienmehrheit nach Spanien zurück. Die Regionalregierung von Andalusien ermöglichte der Firma eine Existenz die über die „verlängerte Werkbank“ hinausging. 1998 wurde im Vorstand „günes Licht“ für ein Nachfolgemodell des Santana 2500 gegeben. Dem voraus gegangen waren wiederholte Anfragen von Militär und Großkunden, die eine Weiterführung der Produktion des 2500 verlangten. Die Vorgaben waren ein wirtschaftliches Mehrzweckfahrzeug zu entwickeln, das auf den bewährten Komponenten der Vergangenheit aufbaute, aber an aktuelle Kundenwünsche angepasst war.

1999 wurde dann das Konzept des PS-10 mit einem Iveco 2.800 cm³-Motor und erheblichen Änderungen an der Mechanik und Karosserie vorgestellt, 2002 begann die Produktion des PS-10. Seit Oktober 2004 wird auch eine Pick-Up Version mit langem Radstand angeboten. Ende 2008 beginnt die Produktion des neuen Iveco-Offroaders Massif auf Basis des Santana PS-10 mit dem 176 PS Dieseltriebwerk des Iveco Daily.

2002 brachte Santana die komplette Überarbeitung eines Defender als Santana Anibal oder Santana PS-10 heraus, der hernach in großer Stückzahl vom Spanischen Heer geordert wurde. Angetrieben wird der Anibal/PS-10 Euro II von einem Dieselmotor mit Turbo Intercooler von Iveco (8140.43P) mit einer mechanischen Einspritzung, 2.800 cm³ auf 4 Zylinder, 78 KW/106 PS bei 3.600 Upm, 180 Nm bei 1.800 Upm.

Der Anibal/PS-10 Euro III/Militar wird ebenfalls von einem Dieselmotor mit Turbo Intercooler Iveco (8140.43P) mit einer Common Rail Einspritzung, 2.800 cm³ auf 4 Zylinder, 92 KW/125 PS bei 3.300 U/min, 275 Nm bei 1.800 U/min.



21.02.11 08:08

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