Thema Ryanair nimmt kein Ende: Passagiere warteten fünf Stunden im Flugzeug, ehe der Start gecancelt wurde

GIRONA / SPANIEN (10.09.2010): Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair bleibt in aller Munde: niemand weiß im Moment, wie es in Girona weitergeht, eine neue Linie  von der Provinzhauptstadt nach Zypern soll eingerichtet werden, man hat vorgeschlagen, ohne Co-Pilot fliegen zu wollen und Air Berlin kritisiert die Subventionspolitik Kataloniens zum Vorteil der Iren. Und nun auch noch das: am Dienstag um 17.30 Uhr bestiegen Hunderte von Passagieren einen Flieger Richtung Edinburgh und nach “nur” fünf Stunden gab der Kapitän bekannt, das der Flug abgesagt wurde.
Glücklich, das ihr  Flug am Dienstag wegen des Streiks in Frankreich nicht gecancelt wurde, begaben sich Hunderte von Passagieren gegen 17.30 Uhr in ihren Flieger Richtung Schottland und warteten darauf, endlich abzuheben. Nachdem sich erste Nervosität breitgemacht hatte, verkündete der Kapitän, das man mit zweieinhalb Stunden Verspätung rechnen müsse, die Leute das Flugzeug aber nicht verlassen dürfen. Nun: es ist sicherlich angenehm, in der Abendhitze in einem Gefängnis aus Stahl zu sitzen und man kein Fenster aufmachen kann. Klimaanlage? Pustekuchen! Diese funktioniert nur, wenn die Motoren der Flieger  laufen. Die Hitze nahm zu und die ersten Passagiere merkten, das sie kurz vor dem Austrocknen waren und fragten die Stewardessen nach Getränken - natürlich davon ausgehend, das Ryanair diese aufgrund der Verzögerung spendieren würde. Wieder Pustekuchen! Nicht einmal an Kinder wurde Flüssiges verteilt und wer Durst verspürte, musste die Getränke teuer erwerben. Die Mitarbeiterinnen mussten sich an die Anweisung ihrer Chefs halten, für jeden Tropfen zu kassieren. Der Unmut wuchs und zudem verlängerte sich die Wartezeit weiter. Nach dem Durst kam der Hunger und darauf waren die Angestellten von Ryanair nun gar nicht vorbereitet. Auf einem normalen Flug werden ein paar belegte Brote verkauft, ein paar Süssigkeiten und das war es dann auch. Jedenfalls macht sich eine Stewardess mit Wägelchen auf den Weg, die pappigen an Brot erinnernden und in Plastik eingewickelten Pseudo-Lebensmittel anzubieten und die Leute machten zähneknirschend  Gebrauch von dem Angebot - der Hunger lockte die vielen Euros dafür aus dem Portemonnaie. Aber es gab schon wieder ein Problem: Ehe alle abgefüttert waren, gingen die Butterbrote aus und diejenigen aus den letzten Reihen mussten sich mit dem schmackhaften Menü “M&M’s” plus Pepsi Cola für schlappe fünf Euro begnügen, was nicht gerade zur positiven Stimmung beitrug. Aber in der Not frisst der Teufel fliegen und sogar Schokoladenkugeln mit pappsüsser Cola - vor allem, weil in der Maschine mittlerweile Temperaturen (und Mief) herrschten, die einer finnischen Sauna zur Ehre gereicht hätte. Gegen 22.30 Uhr gab dann der Kapitän endlich wieder Laut und alle hofften, das es nun endlich losgehen würde - aber weit gefehlt. Mit den Worten: “Ich weiss nicht, ob es eine gute oder schlechte Nachricht ist, aber dieser Flug wurde gecancelt”, verabschiedete er sich und entliess die Passagiere in die angenehm kühle Abendluft. Es machte sich noch mehr Begeisterung breit, vor allem, weil sich die Leute auf die Schnelle und eigene Faust eine Übernachtungmöglichkeit suchen oder in einer ewig langen Schlange anstehen mussten, um einen neuen Flug zu buchen oder zumindest ihr Geld zurückzubekommen. Den vielen schottischen Reisenden wurde ein Alternativflug am Mittwochmorgen ab Barcelona angeboten, aber die anderen Gäste standen nun vor dem nächsten Irrsinn. Da der Hinflug zwar nach Edinburgh, der Rückflug aber ab Glasgow gehen sollte  und dieser nicht gecancelt wurde, weigerte sich Ryanair, die Kosten zu erstatten. Nun müssen die betroffenen Passagiere hoffen, auf irgendeinem Weg an ihr Geld zu kommen, aber von der Logik her sollte dies kein Problem darstellen, denn wer nicht zum Reiseziele transportiert wird - und das noch ohne eigene Schuld - kann auch nicht die Rückreise antreten. Aber wo liegt im Moment bei Ryanair die Logik?

 

Mit freundlicher Genehmigung von www.arena-info.com – ARENA - Der deutschen Tageszeitung für das Alt Empordà  



10.09.10 11:00

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