Hugo Chávez rasselt schon wieder mit dem Säbel gegen Kolumbien
CARACAS/BOGOTÀ/MADRID: Säbelrasseln in Südamerika: Venezuelas linksgerichteter Staatschef Hugo Chávez hat das Militär und die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich auf einen möglichen Krieg mit dem Nachbarland Kolumbien vorzubereiten. Spanien reagiert irritiert und warnt Hugo Chávez vor unüberlegten Aktionen. Beim letzten Besuch von Hugo Chávez in Madrid bot Spanien seine Vermittlungsdienste im Streit mit Kolumbien an. Jetzt rasselt Chávez schon wieder mit dem Säbel und verunsichert die Region. "Lasst uns keinen Tag für unsere wichtigste Mission verlieren: Bereiten wir uns auf den Krieg vor und helfen wir dem Volk, sich auf den Krieg vorzubereiten, weil es die Verantwortung aller ist", sagte Chávez in seiner Radio- und TV-Sendung "Aló, Presidente" am Sonntag.
Die kolumbianische Regierung wies die Äußerungen Chávez' in der Nacht zum Montag zurück und will sich an die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und den UN-Sicherheitsrat wenden. Zugleich bekräftigte Bogotá seine Bereitschaft zum Dialog, um eine Verständigung unter Achtung internationaler Rechtsnormen zu ermöglichen. Hintergrund der seit Monaten zunehmenden Spannungen zwischen den beiden südamerikanischen Staaten ist ein kürzlich unterzeichnetes Militärabkommen zwischen Kolumbien und den USA.
Die Abmachung gewährt bis zu 800 US-Soldaten und 600 Zivilisten für die kommenden zehn Jahre Zugang zu sieben Armee-Stützpunkte in Kolumbien. Während die Vertragspartner die Vereinbarung mit dem notwendigen Kampf gegen die Drogenkriminalität und die marxistischen FARC-Rebellen in Kolumbien begründen, sieht Caracas darin eine gezielte Aggression. Chávez betonte, die Regierung in Bogotá habe das "Bruderland" Kolumbien zur "Yankee-Kolonie" gemacht. Er sei aber sicher, dass "Kolumbien eines Tages wieder frei sein wird, wie heute Venezuela".
Der venezolanischen Armeeführung gab Chávez den Rat: "Wenn Du Frieden willst, sei auf den Krieg vorbereitet." Die Opposition in Venezuela bezeichnete er während der Sendung als "fünfte Kolonne", die so "heimatlos" wie Kolumbiens Oligarchie sei. Zwar hatte Chávez bereits vor Monaten mit Blick auf das Militärabkommen gewarnt, dass "Kriegswinde" durch die Region wehten, und auch Drohungen gegenüber dem Nachbarland sind nicht neu. Allerdings überraschte diesmal die Deutlichkeit seiner Worte.
Erhöht wurden die Spannungen in den vergangenen Wochen durch Zwischenfälle im Westen Venezuelas. Mitte Oktober wurden in dem an Kolumbien grenzenden Bundesstaat Tachira mehrere Kolumbianer unter noch nicht geklärten Umständen entführt und getötet. Erst vergangene Woche wurden dort zwei venezolanische Nationalgardisten erschossen. Venezuela machte rechte kolumbianische Paramilitärs für die Taten verantwortlich und wirft Bogotá vor, Venezuela destabilisieren zu wollen.
10.11.09 07:20
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