Zapatero und seine Probleme mit dem Volk
Die Politik des spanischen Ministerpräsidenten Zapatero wird im Volk immer unpopulärer. Pfiffe und Buh-Rufe sind ein Ausdruck des Zorns des Volkes. Ein Kommentar unserer Kollegin Angelika Eisenführ.
MADRID: Der spanische Nationalfeiertag am Montag, den 12. Oktober zeigte wieder einmal, dass nicht alle Vertreter des demokratischen Spaniens sich diesem Tag verpflichtet fühlen. Bei der traditionellen Militärparade und dem anschliessenden Empfang im Königspalast fehlte der Ministerpräsident von Katalonien. Aber dass Francisco Camps als Präsident des Autonomiegebietes Valencia fernblieb, hatte weniger weltanschauliche Gründe als solche der Opportunität. Wäre er, der zutiefst in den Korruptionsskandal des „caso Gürtel“ verstrickt ist, in Madrid erschienen, wären die Pfiffe und Buhrufe sicherlich noch lauter gewesen. Sie galten bei dieser Gelegenheit dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, der sie jedoch ignorierte und die Missfallensäusserungen als „Ritus“ abtat. Schon bei früheren Festlichkeiten des Día de la Hispanidad hatten viele Besucher gepfiffen oder gezischt. Dies war umso unverständlicher, als die sozialistische Regierung sich seit über einem Jahr darum bemüht – wenn auch nicht immer mit Erfolg, - die Folgen der internationalen Finanz-und Wirtschaftskrise für Spanien erträglich zu halten.
Mit Überraschung wurde zur Kenntnis genommen, dass in diesem Jahr erstmals ein Vertreter des Baskenlandes zu den Feierlichkeiten in Madrid erschienen war: zwar nicht Präsident Patxi López persönlich, aber dafür sein Innenbeauftragter Rodolfo Ares. Das zeigte einen Wandel in der Einstellung dieses Autonomiegebietes gegenüber der Zentralregierung: nicht mehr glatte Verweigerung, sondern diskrete Annäherung. Auch Vernunft kann man also provozieren.
Die Militärparade mit mehr als 4000 Soldaten aller Waffengattungen, über 200 Fahrzeugen und knapp 60 Flugzeugen, die mit Eleganz und Nachdruck die spanischen Farben an den sommerlich blauen Himmel schrieben, wurde von der Bevölkerung begeistert aufgenommen. Besonders beklatscht wurden wie immer die Männer der Fremdenlegion und, bisher unerhört: eine baskische Ministerin spendete öffentlich der Guardia Civil Beifall. Dabei galt die Guardia Civil im Baskenland immer als Schreckgespenst und Todfeind Nummer eins für die Unabhängigkeitsfanatiker. Die gesamte Königsfamilie war angetreten, wobei die Damen sich mit grossen Sonnenbrillen davor schützten, dass ihnen das sorgfältig aufgetragene Make-up verlief. Kronprinz Felipe nahm die Parade in vorbildlicher Haltung und immer noch mit Vollbart ab, während der König sich aus dem feierlichen Anlass von seinem im Sommer gezüchteten Seemannsbart getrennt hatte. Spruchbänder am Strassenrand wünschten „larga vida al Rey“ (dem König ein langes Leben). Dennoch blieben vor allem die Toten präsent, die im Laufe der 20 Jahre, die Spanien nun schon Soldaten in internationale Einsätze schickt, diesen Einsatz mit dem Leben bezahlten. Fast 40 Angehörige dieser Militärs waren geladen und sprachen zusammen mit der Öffentlichkeit ein Gebet zu ihrem Gedenken. Wegen der knappen Staatskasse kamen sowohl die Regierungsvertreter wie die Ministerinnen und die Damen des Königshauses auffallend schlicht gekleidet. Wobei das Wort schlicht womöglich noch geschmeichelt war für die Nüchternheit der verwendeten Stoffe in Grau-und Brauntönen. Sogar die Königin, sonst für ihre Eleganz berühmt, zeigte sich in einem wenig schmeichelhaften Blumenkostüm mit altmodischem Rundkragen. Allgemein waren die Mienen ernst und gesammelt, sodass das Königshaus denn doch in würdiger Weise einem Ereignis vorstand, das genau so gut zu Polemik hätte Anlass geben können, denn es ging ja um die Entdeckung Amerikas durch Spanien, das dadurch zu einem weltumspannenden Imperium wurde.
Autor: Angelika Eisenführ
Mit freundlicher Genehmigung von www.arena-info.com – ARENA - Der deutschen Tageszeitung für das Alt Empordá
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