Stierkampf per Gesetz verbieten?

BARCELONA: Kaum kam der beste Stierkämpfer nach Barcelona, den Spanien derzeit zu bieten hat: José Tomás,  der sich ganz allein sechs wilden Stieren stellte und eine glänzende Vorstellung bot, da flammt die Diskussion darüber wieder auf, ob man den Stierkampf nicht per Gesetz verbieten solle – in Katalonien. Offenbar interessiert es die Herrn Provinzpolitiker nicht die Bohne, dass die Stierkampftradition hierzulande tief verwurzelt ist, wie es die Dorffeste  jedes Jahr mit ihren „correbous“ aufs Neue bestätigen. Wussten Sie übrigens, dass die im tiefen Katalonien  gelegene Stadt Olot eine der ältesten Stierkampfarenen Spaniens hat?

Sogar Kampfstiere wurden und werden auf katalanischem Boden gezüchtet, nur spricht niemand gerne offen darüber, weil man ja nichts mit „Madrid“ (stellvertretend für Spanien) zu schaffen haben will. Offenbar hat auch niemand so recht zur Kenntnis genommen, dass die 17.000 Plätze in der „Monumental“ in Barcelona im Vorverkauf für den Auftritt von José Tomás binnen weniger Stunden vergriffen waren und Spitzenpreise für eine Eintrittskarte geboten wurden.  Gemunkelt wird von 3.000 Euro für einen Platz im Schatten. Interessant war auch das Presseecho auf den Sonntag der Corrida von Tomás in der katalanischen Metropole. Es reichte von dem Urteil, der Torero  habe eine“glänzende Figur“ abgegeben – schliesslich bekam er fünf Ohren zuerkannt, -  bis hin zu dem mauligen Kommentar, die Vorstellung sei zwar technisch perfekt, aber „ohne Glanz und Magie“ gewesen.

Unterdessen sammelten die Gegner des Stierkampfes 180.000 Unterschriften, um den Stierkampf per Gesetz verbieten zu lassen. Unter dem Motto „prou“ (Katalanisch für „basta“ = es reicht oder „genug“ wollen sie verhindern, dass weiterhin Kampfstiere in der Arena mit blutigen Ritualen und dem Einsatz von Pferden gequält und schliesslich getötet werden. Interessanterweise nimmt der Gesetzentwurf die „correbous“ ausdrücklich  von dem Tierschutzgesetz aus. Und wie der triumphale Auftritt von José Tomás am Sonntag in Barcelona bewies,  gibt es auch heute noch genug Menschen, die der Initiative vom April 2004 nicht zustimmen, die Barcelona als  „stierkampffreie Stadt“ zu erklären versuchten.
Autor: A. Eisenführ



12.07.09 07:50

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