Schwere Zeiten für spanische Autoindustrie
Wirtschaftsprofessor Pankaj Ghemawat ist eigentlich ein Optimist. Doch wenn es um die Zukunft der spanischen Autoindustrie geht, sieht er rabenschwarz. "Länger als fünf Jahre wird diese Industrie in Spanien nicht überleben", sagt der gebürtige Inder, der an der privaten Wirtschaftshochschule IESE in Barcelona lehrt.
Das hätte dramatische Auswirkungen, steht doch die Automobilindustrie für 25 Prozent der Exporte Spaniens und trägt fast sechs Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. In achtzehn Autofabriken arbeiten rund 75.000 Beschäftigte. Sie wissen, dass durch die Überkapazitäten in Europa und die sinkende Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie ihre Arbeitsplätze gefährdet sind.
Zwar konnten sich die Iberer in den letzten Jahren als drittgrößter Produzent Europas hinter Deutschland und Frankreich behaupten. Doch jetzt bekommt der Sektor die Rezession in Spanien und auf den wichtigsten Exportmärkten zu spüren. Schon im vergangenen Jahr wurden 350.000 Fahrzeuge weniger produziert – ein Rückgang um 12 Prozent. Für dieses Jahr sehen die Prognosen des Automobilverbands Anfac noch düsterer aus. Eine halbe Mio. Autos weniger wird voraussichtlich von den Bändern laufen, die Jahresproduktion droht damit erstmals seit 1989 unter die Zwei-Millionen-Grenze zu rutschen.
"Die Situation ist dramatisch", sagt Francisco Javier García Sanz, Einkaufsmanager des Volkswagen-Konzerns. Er muss mit ansehen, wie sich die spanische Tochter Seat immer weiter von den Gewinnvorgaben aus Wolfsburg entfernt. García appelliert an die spanische Regierung, dem Beispiel aus Deutschland und Frankreich zu folgen und mit Verschrottungsprämien den Autoverkauf anzuheizen.
Die Kfz-Neuzulassungen auf der Iberischen Halbinsel sind drastisch gesunken, allein im vergangenen Jahr um 28 Prozent auf 1,16 Millionen im Januar und Februar 2009 erlitt die Branche erneut einen Einbruch von durchschnittlich 45 Prozent. Das bekommt nicht nur Seat zu spüren. Auch bei den anderen Automobilherstellern wie Opel, Ford, Renault, Peugeot, Citroen oder Nissan, die in den siebziger und achtziger Jahren nach Spanien kamen, um von den damals noch niedrigen Lohnkosten zu profitieren, bleiben die Bänder häufiger stehen. Die Renault-Fabrik im zentralspanischen Valladolid ist gerade einmal zu 38 Prozent ausgelastet. "In Europa sind rund zwanzig Autofabriken gefährdet, mehrere davon in Spanien", prophezeit Jean Pierre Laurent, Chef von Renault südlich der Pyrenäen.
24.03.09 00:45
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