Ein Tod an der Grenze - Der Schriftsteller Walter Benjamin in Portbou
FIGUERES / SPANIEN (22.03.2011): Portbou kennen wir als Grenzort zwischen Spanien und Frankreich. Heute macht der Ort einen verlassenen Eindruck. Der düstere Eindruck wird durch die schroffen Berg- hänge der Alberes-Kette verstärkt, die den Ort umgeben, obwohl sich auch malerische Ausblicke auf das Meer hin öffnen. Die Grenze ist heute wenig frequentiert und wir passieren die geschlossene Grenzstation ohne Kontrolle.
Grenzübergänge sind in Europa für den EU-Bürger einfach geworden. Die hohen Häuser des Ortes, Kasernen und der riesige Bahnhof mit seiner Eisen-Glasüberdachung und den verzweigten Gleisanlagen künden von Zeiten, in denen der Ort mehr Bedeutung als Grenzübergang hatte. Portbou ist heute noch internationale Bahnstation, in der die Züge von der europäischen Normalspur auf die iberische umgestellt werden. Aber mit der Inbetriebnahme der anderweitig verlaufenden Hoch-Geschwindigkeitsstrecke wird die Bedeutung Portbous weiter abnehmen.
Am Ende des spanischen Bürgerkrieges spielten sich hier Tragödien ab. 1939 fluteten lange Schlangen von Lastwagen mit republikanischen Soldaten und Scharen von Zivilisten über die Grenze. Sie waren auf der Flucht vor der siegreichen Franco-Armee. In Frankreich fanden die Flüchtlinge keine gute Aufnahme. Als unerwünschte Ausländer wurden sie in Konzentrationslager unter elenden Bedingungen zusammengepfercht.
Ein Netz von solchen Lagern überzog den Süden Frankreichs. Von dem mit den Nazis kollaborierenden Vichy-Regime wurde ein Teil der Flüchtlinge in deutsche Konzentrationslager weitergereicht, ein anderer Teil ins Franco- Spanien ausgeliefert. In beiden Fällen stand meist am Ende der Tod. Wer sich für für diese Vorgänge interessiert, sollte das hervorragend gestaltete „Museu Memorial del Exilio“ in Jonquera besuchen!
Nach heftigen Bombardierungen wurde Portbou von den Franco-Truppen genommen und Franco- Anhänger besetzten die Schlüsselstellungen der Gemeinde. Eine Atmosphäre von Unterdrückung, Misstrauen und Verrat bestimmte die Atmosphäre. Auch die Gestapo unterhielt ein Büro im Ort.
Portbou war Grenzort für Fluchtbewegungen in die umgekehrte Richtung geworden. Nach Beginn des Zweiten Weltkriege hatten die Deutschen einen großen Teil Europas besetzt. Juden und Antifaschisten versuchten sich in Frankreich und dann über Spanien in Sicherheit zu bringen. Ihre Fluchtwege führten über die Pyrenäen.
Einer der heute bekanntesten dieser Flüchtlinge war Walter Benedix Schoenflies Benjamin; durch seine geistige Bedeutung als Schriftsteller und seinen tragischen Tod in Port Bou hat er Berühmtheit erlangt. Heute beschäftigt man sich in aller Welt mit seinem Werk und Leben. Sein Andenken wird in Portbou gepflegt und ist somit auch ein Stück deutsch- katalanischer Beziehungen.
Walter Benjamin wurde 1892 als Kind eines wohlhabenden großbürgerlichen jüdischen Ehepaars in Berlin geboren. Die Eltern gehörten dem assimilierten Judentum an. Eindrücke seiner Kindheit beschreibt Benjamin in seinem Werk Berliner Kindheit um Neunzehnhundert (ab 1931/32).
Benjamin ist tief in der deutschen und europäischen Geisteswelt verankert. Er studiert Philosophie und Germanistik und promoviert mit einer Arbeit Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik (1919). Literatur und Kunst sind für ihn das Medium, in dem sich gesellschaftliche Entwicklungen und die Zeit ausdrücken. Artikel, Aufsätze und Abhandlungen über Literatur und Kunst nehmen einen großen Raum in seinem Werk ein. Berühmt und wegweisend ist seine Abhandlung Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1936). Er übersetzt auch französische Autoren (Proust, Baudelaire).
Benjamin war kein orthodoxer Jude, aber er verleugnet sein jüdisches Erbe nicht. Zeitweilig stand er dem Zionismus nahe, also der jüdischen Bewegung, die in Palästina eine staatliche Heimstatt für das verfolgte Judentum suchte. Am Ende seines Lebens spielt für ihn der jüdische Messianismus eine Rolle, die Hoffnung auf das Ende und die Vollendung der Geschichte durch den Messias (Thesen Über den Begriff der Geschichte 1939/40).
Früh zeigt sich die schriftstellerische Begabung Benjamins. Bereits als Schüler und Student wird er publizistisch tätig. Er ist ein Literat par excellence, ein Mensch, dessen Lebenssinn Denken, kritische Wahnehmung und Schreiben, aber auch das Gespräch, ist. Nach dem gescheiterten Versuch, die akademische Laufbahn einzuschlagen (1925), bleibt er freier Schriftsteller mit sehr ungesicherten und beschränkten Einkünften.
Er lernte eine Vielzahl von Philosophen, Wissenschaftlern, Schriftstellern, Künstlern seiner Zeit kennen, stand mit ihnen im Austausch und Briefwechsel.
Befreundet war er u.a. mit dem jüdischen Religionswissenschaftler Gerhard (Gershom) Sholem, dem Philosophen Ernst Bloch, den Sozialphilosophen Max Horkheimer und Theodor Wiesengrund Adorno, dem Dichter Bert Brecht, der Politikphilosophin Hannah Arendt (sie setzte ihm in ihrem Buch „ Menschen in finsteren Zeiten“ ein literarisches Denkmal).
Die Aufzählung dieser Namen zeigt, dass Benjamin dem linken Spektrum der Intellektuellen der zwanziger/dreißiger Jahre des 20. Jh. angehört.
Schon als Student zeigt sich das politisch-soziale Interesse Benjamins in seinem hochschulpolitischem Engagement, das er im Geist der damaligen Jugendbewegung ausübte. Autor: Dr. Wolfram Janzen Quelle: ARENA
22.03.11 01:13
Anzeige.................................................................................................................................................
Preisgünstige Reisen suchen und buchen – das neue Comprendes - Reisecenter
Sie suchen günstige Pauschalreisen auf das spanische Festland, auf die Balearen oder die kanarischen Inseln?
Dann sind Sie im neuen Reisecenter von Comprendes genau richtig. Finden Sie mit der neuen Suchmaschine die günstigsten Preise für die schönsten Wochen im Jahr. weiter »







