Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg
Hape Kerkeling beschreibt die Erlebnisse seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela im Jahr 2001. Auslöser für die Entscheidung, den Jakobsweg zu gehen, war ein Hörsturz sowie die Entfernung seiner Gallenblase. Kerkeling beschäftigte sich zudem mit Shirley MacLaines Buch „Der Jakobsweg: eine spirituelle Reise“, in dem die Autorin unter anderem von ihren verschiedenen bisherigen Reinkarnationen berichtet und ihre Reise mit zahlreichen Erlebnissen ausschmückt.
Kerkeling wählte für seine Wanderung den Camino Francés und musste sich wie alle Pilger mit den physischen und psychischen Anforderungen einer solchen Reise auseinandersetzen. Er lernt dabei nicht nur sich selbst und seinen Glauben, eine – Zitat – „Mischung aus Buddhismus mit christlichem Unterbau“, besser kennen, sondern trifft auch auf die verschiedensten Menschen, deren Charaktere er sehr plastisch beschreibt.
Im amüsant plaudernden Ton schildert Kerkeling seine Erfahrungen, die an manchen Stellen tiefsinnig werden, und reflektiert über den Sinn des Lebens. Mit dem „klassischen“ christlichen Pilger sucht er keinen Kontakt, er schätzt sie umschreibend als „nicht lernfähig“ ein (Zitat: „Die werden als die gleichen Menschen die Reise beenden, als die sie sie begonnen haben…“). Stattdessen ziehen ihn „Sonderlinge und Exoten“ an, er macht Erfahrungen mit heiratswilligen Südamerikanerinnen, sexlüsternen Mitwanderern, Spießern, Kirchenkritikern, Esoterikern und Spiritisten.
Das Buch gilt mit mehr als drei Millionen verkaufter Exemplare als erfolgreichstes deutschsprachiges Sachbuch seit „Götter, Gräber und Gelehrte“ von C. W. Ceram und befand sich nach seinem Erscheinen 2006 monatelang auf den vorderen Plätzen der deutschen Bestsellerlisten.
Kerkeling war wegen seines Buches Gast in verschiedenen Talkshows, eine Autorenlesung ausgewählter Teile seines Buches wurde vom Fernsehsender RTL 2007 ausgestrahlt. Für das Jahr 2009 ist die Verfilmung unter der Regie von Florian Henckel von Donnersmarck geplant.
Die Statistik der in Santiago de Compostela ankommenden Pilger belegt, dass die Pilgerzahlen auf den spanischen Jakobswegen außerhalb „Heiliger Jahre“ linear ansteigen. Nach Veröffentlichung des Buches lässt sich eine überdurchschnittliche Zunahme bei der Gruppe der deutschen Pilger beobachten: Im Jahr 2007 betrug ihre Zahl 13837. Das waren 71 Prozent mehr als im Vorjahr und entsprach dem Anstieg der sieben vorausgegangenen Jahre 1999–2006. Obwohl dieses Phänomen nicht wissenschaftlich untersucht wurde, wird es allgemein auf das hier besprochene Buch zurückgeführt und als „Kerkeling–Effekt“ bezeichnet.
Kathrin Dögel schrieb als Leserin zum Buch: „ Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling
Der Jacobsweg hat mich bisher nicht sonderlich interessiert. Hape hingegen fand ich schon immer gut, wobei mein Interesse eigentlich nur seinen Fernsehauftritten als Komiker galt.
Erst nachdem ich das Hörbuch „Ein Mann – ein Fjord“ geschenkt bekam und mich beim Hören köstlich amüsierte, wollte ich o.g. Buch unbedingt lesen.
Hape Kerkeling startet allein mit seinem 11 Kilo schweren Rucksack seine Wanderschaft, von der er selbst noch nicht weiß, was sie ihm tatsächlich bringen wird. Die 100% wasserundurchlässige Regenbekleidung wird gleich zu Beginn einer harten Probe unterzogen, der sie nicht standhält, genauso wenig wie sein Rucksack.
Hape, die bekennende Couch Potatoe, was auch auf mich zutreffen könnte, erzählt glaubhaft und gleichzeitig witzig von den Anstrengungen und Strapazen seiner Pilgerreise. Ich konnte mich in nahezu in jeder Situation in ihn hineinversetzen. Ob er jammerte oder jammerte, stolz auf erreichte Etappen war, Schummeln zugab sowie von Treffen mit anderen Pilgern berichtete oder zur Abwechslung einfach mal wieder jammerte. Die Beschreibung der Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern ist herrlich unterhaltend und ehrlich. Er macht keinen Hehl aus Ab- und Zuneigung.
Diese eben erwähnte Ehrlichkeit und Authentizität sind für mich absolut wichtige Kriterien, um das Buch weiterempfehlen zu können.
Ohne Ankündigung in den Medien, ja nicht einmal seine Freunde wussten von seinem Vorhaben, machte er sich auf den Weg, um für sich Erkenntnisse zu gewinnen bzw. Dinge zu entdecken, die man wahrscheinlich nur erfährt, wenn man an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit (physisch und psychisch) stößt und diese überschreiten kann.
Wenn man nun viele Fotos in diesem Buch erwartet, denn schließlich führte Hape eine wasserdichte Kamera mit sich, wird man schlichtweg enttäuscht. Aber es passt eben zu ihm, dass er sich nicht in jeder Situation hat ablichten lassen. Er bleibt sich auch hier absolut treu.
Wir erfahren aber nicht nur von seinen interessanten, amüsanten und mitfühlenden Erlebnissen seiner Wanderschaft auf dem 800km langen Jacobsweg, sondern erhalten auch Einblicke in seine Jugend sowie den Beginn seiner Karriere als Komiker.
Es ist kein Buch, das sich tiefgründig mit der Idee des Jacobswegs beschäftigt, genauso wenig mit religiösen Themen. Es ist ein Buch für jedermann, das ohne besondere Vorkenntnisse gelesen werden kann, oft zum Nachdenken anregt und wunderbar unterhaltsam ist.
Hier gelangen zum Video der Buchlesung.
04.05.09 13:25
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