Fliegen in der Krise ist teuer
Deutsche Fluggesellschaften halten die Preise für Flüge künstlich hoch und verstecken sich dabei hinter der anhaltenden Wirtschaftskrise. Die Werbeversprechen sind groß, der Service klein und die Preise noch größer. So kann man im Moment die Geschäftspolitik der deutschen Fluggesellschaften einschätzen, wenn man nach Spanien fliegen will.
Die Werbeversprechen sind groß, der Service klein und die Preise noch größer. So kann man im Moment die Geschäftspolitik der deutschen Fluggesellschaften einschätzen, wenn man nach Spanien fliegen will. Und die Zahlen sprechen für sich: Besonders betroffen sind die kanarischen Inseln. Hier wurden erheblich Kapazitäten im Sommer reduziert. Die Fluggesellschaften begründen das mit der fehlenden Nachfrage und den hohen Kosten, die die staatliche Flughafenbehörde AENA für die Überflüge und Abfertigung kassiert.
Zum Beispiel hat die Air Berlin die Flüge auf die Sonneninsel Gran Canaria radikal verringert. Wer sonst von Hamburg jeden Tag außer Sonntags fliegen konnte, muss sich jetzt mit einem Tag, nämlich dem Samstag begnügen. Wer früher bei der Condor bei den „Fliegenpreisen“ ein Schnäppchen machen konnte, der wird heute enttäuscht. Wenn überhaupt Verbindungen angeboten werden, dann hat man meistens das Problem, das man zwar für 49,- oder 79,- Euro einen Hinflug bekommt, der passende Rückflug ist dann aber unter Garantie wesentlich überteuert und nicht unter 280,- Euro zu bekommen. So ist es dann auch zu verstehen, dass in der letzten Woche von den 100.000 Flügen mit „Fliegenpreisen“ auf der Webseite der Condor, nur die Hälfte an den Mann oder die Frau gebracht wurden. So erklärt sich von allein, dass gleich eine Woche später wieder Fliegenpreise angeboten werden, die dann aber zum größten Teil die Ladenhüter der letzten Woche sind. Zumindest hat man diesen Eindruck, wenn man diese angepriesenen Schnäppchen genauer betrachtet. Auch die Tuifly bietet in ihrer Werbung Flüge für 29,- Euro an, nur findet man selten das passende Angebot und muss dann doch den teureren Preis bezahlen.
Fliegen ist in unserer modernen und globalen Welt kein Luxus mehr. Es geht auch anders. Viele Passagiere die öfter nach Spanien fliegen wollen oder müssen, weichen auf alternativen aus, die den deutschen „Billigfliegern“ nicht gefallen werden. Wenn man zum Beispiel auf die Kanaren reisen möchte, kann man seinen Flug auch gabeln. Das heißt, man nutzt ein preiswertes Angebot für einen Flug auf das spanische Festland, wie zum Beispiel Barcelona oder Madrid. Möglich sind aber auch Alicante oder Málaga. Angebote gibt es hier auch bei ausländischen Fluggesellschaften, wie zum Beispiel easyjet oder Ryanair. Von hier aus fliegt man dann mit einer spanischen Fluggesellschaft weiter. Die Preise liegen deutlich unter den deutschen Angeboten. Den einzigen Kompromiss, den man eingehen muss, dass man einen Zwischenstopp einlegt.
Fazit: In schlechten Zeiten kann man die Preise auch künstlich hochhalten, wenn man das Angebot verringert. Dieser Eindruck drängt sich im Moment auf, wenn man einen Flug nach Spanien buchen möchte. Nur die Verbraucher und Passagiere sind nicht dumm. Auch auf diese Tricks der Fluggesellschaften wird der Kunde reagieren. Das spanische Buchungsportal „edreams“ hat vor zwei Monaten schon mal eine zweite Sprache für die User eingeführt, nämlich Deutsch.
Thomas Abraham
thomas(at)comprendes(dot)de
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Kommentare
Jens Nitzsche | Donnerstag, 04-06-09 16:11
Hallo Herr Kempf,
Sie haben ja vollkommen Recht! Es gibt keine Alternativen zum Reisen mit dem Flugzeug. Ebenso gibt es keine Alternativen, wenn es um die Refinanzierung einer Website geht, die Inhalte prinzipiell kostenlos für den User bereitstellt, als Werbung.
Die von uns beworbenen Anbieter sind in der Regel preiswerter, als viele Mitbewerber, so dass sich trotz des Ärgers über (vielleicht) auch ungerechtfertigte Preiserhöhungen, eine Ersparnis für den Reisenden ergibt.
In der Zukunft werden wir verstärkt alternative Routen (bei denen man u.U. einen Zwischenstopp in Kauf nehmen muss) mit anderen Anbietern recherchieren und im Magazin vorstellen.
Würden wir jeden Werbekunden boykottieren, könnten wir auf Dauer Comprendes nicht mehr produzieren.
Birgit Zollner | Donnerstag, 04-06-09 16:06
Ich beobachte seit Jahren die deutschen Fluggesellschaften (LPA-MUC-LPA) und dabei faellt mir beim Preisvergleich IMMER auf, dass alle Ticketpreise in der gleichen Hoehe sind (ca.+/-5€), auch bei speziellen Angeboten. Das laesst doch vermuten, dass es auch Preisabsprachen geben muss. Ist das denn zulaessig?
Holger Kempf | Donnerstag, 04-06-09 14:33
Fluggesellschaften finden immer wieder Ausreden für ungerechtfertigte Preiserhöhungen. Die "Fliegenpreise" der Condor sind mittlerweile nur noch ein Witz. Ich erinnere mich gern an die Zeiten, als ich für 129,- von Gran Canaria nach Deutschland und wieder zurück fliegen konnte. Das ist jetzt noch gar nicht so lange her, die Kerosinpreise waren damals wesentlich höher, als heute und der Service hat seinen Namen noch verdient. Mangels Alternativen sind dem Verbraucher aber die Hände gebunden. Protest ist halt nicht möglich. Wer Fliegen muss, muss in den sauren Apfel beißen und die überhöhten Preise zahlen. Schade, dass sich die Fluggesellschaften von der wachsenden Konkurrenz nicht mehr beeindrucken lassen.
PS: Wenn ihr das Vorgehen der Fluggesellschaften kritisiert, solltet ihr zumindest die Konsequenzen ziehen und nicht mehr für diese Geier werben!
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